Praxis für Kinesiologie, Systemische Psychotherapie und System-Aufstellungen

Wenn die Erde...

...nur einen Meter groß wäre und in einem Wald läge, dann kämen die Menschen von überall her, dieses Wunder zu bestaunen.

Die Menschen würden ihre sprudelnden und wogenden Wasser bewundern, ihre schroff modellierten Bergspitzen, ihre üppigen grünen Senken. Fasziniert würden sie die hauchdünne Atmosphäre betrachten, welche die Kugel umgibt, mit Wasserdunst, der magisch in dieser Schicht kreist. Die Menschen würden staunen über diese Vielfalt des Lebens auf dieser Kugel.

Die Menschen würden die Kugel für wertvoll erklären, denn sie wäre die Einzige ihrer Art. Die Menschen würden sie beschützen, weil sie spüren würden, dass diese wunderbare Kugel eine große Bedeutung für ihr eigenes Sein hätte.

Wenn die Erde nur einen Meter groß wäre.

(nach: Infotafel Insel Neuwerk)

Vom Gewicht des Nichts

"Sag mir, was wiegt eine Schneeflocke?", fragte die Tannenmeise die Wildtaube.

"Nicht mehr als Nichts", gab sie zur Antwort. "Wenn du das denkst, muss ich dir eine wunderbare Geschichte erzählen", sagte die Meise. "Ich saß auf dem Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing, nicht etwa heftig im Sturmgebraus, nein, wie im Traum, lautlos und ohne Schwere. Da ich nichts besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und Nadeln meines Astes fielen und darauf hängen blieben.

Genau dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-zweiundfünfzig waren es.

Als die dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-dreiundfünfzigste Flocke niederfiel - nicht mehr als Nichts, wie du sagst - , brach der Ast ab."

Damit flog sie davon.

Die Taube, seit Noahs Zeiten eine Spezialistin in dieser Frage, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken: "Vielleicht fehlt nur eines einzigen Menschen Stimme zum Frieden dieser Welt."

(Kurt Kauter, aus "New Fables")

Sichtweisen

Die Welt ist nicht wie sie ist
die Welt ist so wie du sie siehst

Noch einmal leben können...

Im nächsten Leben würde ich versuchen, mehr Fehler zu machen. Ich würde nicht so perfekt sein wollen. Ich würde mich mehr entspannen. Ich wäre ein bisschen verrückter, als ich es gewesen bin, ich würde viel weniger Dinge so ernst nehmen. Ich würde nicht so gesund leben. Ich würde mehr riskieren, würde mehr reisen, Sonnenuntergänge betrachten, mehr bergsteigen, mehr in Flüssen schwimmen.

Ich war einer dieser klugen Menschen, die jede Minute ihres Lebens fruchtbar verbrachten. Freilich hatte ich auch Momente der Freude, aber wenn ich noch einmal anfangen könnte, würde ich versuchen, viel mehr gute Augenblicke zu haben.  Falls du es nicht weißt, aus diesen besteht nämlich das Leben. Nur aus Augenblicken, vergiss nicht den jetzigen.

Wenn ich noch einmal leben könnte, würde ich von Frühlingsbeginnan bis in den Spätherbst hinein barfuss gegen. Und ich würde mehr mit Kindern spielen, wenn ich das Leben noch vor mir hätte.

Jorge Louis Borge

 

Zum Nachdenken:  

Wenn du in einen Spiegel schaust und dir das, was du siehst, nicht gefällt, dann wäre es verrückt von dir den Spiegel anzugreifen. Doch genau das tust du im Zustand des Nichtannehmens.

Und wenn du das Spiegelbild angreifst, dann wehrt es sich. Wenn du das Bild dagegen annimmst, ganz gleich wie es ausschaut, wenn du freundlich zu ihm bist, dann kann es nicht unfreundlich zu dir sein. Genauso änderst du die Welt.

Wenn du verwandelt bist, dann ist zugleich deine ganze Welt verwandelt, denn die Welt ist nichts als eine Spiegelung.

Hingabe ist das Annehmen des Jetzt, des Sosein des Momentes - nicht der Situation insgesamt!

Leiden benötigt Zeit (Vergangenheit und Zukunft). Im Jetzt sein heißt, den beiden die Zeit zu entziehen.

Eckhardt Tolle

 

Eine Geschichte zum Nachdenken und Freuen:

Meister, ich bin gekommen, weil ich mich so wertlos fühle, dass ich überhaupt nichts mit mir anzufangen weiß. Man sagt, ich sei ein Nichtsnutz, was ich anstelle, mache ich falsch, ich sei ungeschickt und dumm dazu. Meister, wie kann ich ein besserer Mensch werden? Was kann ich tun, damit die Leute eine bessere Meinung von mir haben?

Ohne ihn anzusehen, sagte der Meister: “Es tut mir sehr leid, mein Junge, aber ich kann dir nicht helfen, weil ich zuerst mein eigenes Problem lösen muss. Vielleicht danach…“.

Er machte eine Pause und fügte dann hinzu: „Wenn du zuerst mir helfen würdest, könnte ich meine Sache schneller zu Ende bringen und mich im Anschluss eventuell deines Problems annehmen.“

„S…..sehr gerne, Meister“, stotterte der junge Mann und spürte, wie er wieder einmal zurückgesetzt und seine Bedürfnisse hintangestellt wurden.

„Also gut“, fuhr der Meister fort. Er zog einen Ring vom kleinen Finger seiner linken Hand, gab ihn dem Jungen und sagte: “Nimm das Pferd, das draußen bereitsteht, und reite zum Markt. Ich muss diesen Ring verkaufen, weil ich eine Schuld zu begleichen habe. Du musst unbedingt den bestmöglichen Preis dafür erzielen, und verkauf ihn auf keinen Fall für weniger als ein Goldstück. Geh und kehr so rasch wie möglich mit dem Goldstück zurück.“

Der Junge nahm den Ring und machte sich auf den Weg. Kaum auf dem Markt angekommen, pries er ihn den Händlern an, die ihn mit einigem Interesse begutachteten, bis der Junge den verlangten Preis nannte. Als er das Goldstück ins Spiel brachte, lachten einige, die anderen wandten sich gleich ab, und nur ein einziger alter Mann war höflich genug, ihm zu erklären, dass ein Goldstück viel zu wertvoll sei, um es gegen einen Ring einzutauschen. Entgegenkommend bot ihm jemand ein Silberstück an, dazu einen Kupferbecher, aber der Junge hatte die Anweisung, nicht weniger als ein Goldsück zu akzeptieren, und lehnte das Angebot ab.

Nachdem er das Schmuckstück jedem einzelnen Marktbesucher gezeigt hatte, der seinen Weg kreuzte -und das waren nicht weniger als hundert-, stieg er, von seinem Misserfolg vollkommen niedergeschlagen, auf das Pferd und kehrte zurück. Wie sehr wünschte sich der Junge ein Goldstück zu besitzen, um es dem Meister zu überreichen und ihn von seinen Sorgen zu befreien, damit der ihm mit Rat und Tat zur Seite stehen konnte. Er betrat das Zimmer.

„Meister“, sagte er, „es tut mir leid. Das worum du mich gebeten hast, kann ich unmöglich leisten. Vielleicht hätte ich 2 oder 3 Silberstücke dafür bekommen können, aber es ist mir nicht gelungen, jemanden über den wahren Wert des Ringes hinwegzutäuschen.“

„Was du sagst, ist sehr wichtig, mein junger Freund“, antwortete der Meister mit einem Lächeln. „Wir müssen zuerst den wahren Wert des Rings in Erfahrung bringen. Steig wieder auf das Pferd und reite zum Schmuckhändler. Wer könnte den Wert des Rings besser einschätzen als er? Sag ihm, dass du den Ring verkaufen möchtest, und frag ihn, wieviel er dir dafür gibt. Aber was immer er dir auch dafür bietet: Du verkaufst ihn nicht. Kehr mit dem Ring hierher zurück.“

Und erneut machte sich der Junge auf den Weg. Der Schmuckhändler untersuchte den Ring im Licht einer Öllampe, er besah ihn durch seine Lupe, wog ihn und sagte: „Mein Junge, richte dem Meister aus, wenn er jetzt gleich verkaufen will, kann ich ihm nicht mehr als achtundfünfzig Goldstücke für seinen Ring geben.“ „Achtundfünfzig Goldstücke?“ rief der Junge aus. „Ja“, antwortete der Schmuckhändler. „Ich weiß, dass man mit etwas Geduld sicherlich bis zu siebzig Goldstücke dafür bekommen kann, aber wenn es ein Notverkauf ist…“.

Aufgewühlt eilte der Junge in das Haus des Meisters zurück und erzählte ihm, was geschehen war.

„Setz dich“, sagte der Meister, nachdem er ihn angehört hatte. „Du bist wie dieser Ring: ein Schmuckstück, kostbar und einzigartig. Und genau wie bei diesem Ring kann deinen wahren Wert nur ein Fachmann erkennen. Warum irrst du also durch dein Leben und erwartest, dass jeder x-beliebige um deinen Wert weiß?“

Und noch während er dies sagte, streifte er sich den Ring wieder über den kleinen Finger der linken Hand.

Gefunden in: Komm ich erzähl dir eine Geschichte  von Jorge Bucay

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